Blockade ade mit Akrostichon – Das vielseitigste Tool, um den Springbrunnen der Kreativität zum Sprudeln zu bringen

Ich mag Plädoyers. (Vielleicht habe ich zu viele Gerichtsserien geschaut …) Daher gibt es eines für eine ganz einfache Kreativitäts-Übung, die wandelbar ist und fast überall eingesetzt werden kann, um Ideen zu finden: das Akrostichon.

Bildungsauftrag erfüllen

Erst einmal zum Bildungsauftrag! Das Akrostichon gibt es schon seit der Antike. Die Bezeichnung stammt aus dem Griechischen. Sie setzt sich aus ákros (Spitze) und stíchos (Zeile, Vers) zusammen. Ein bisschen weiterdenken muss man schon, dann kommt man auf den Anfang der Zeile, der für diese Form von Gedicht oder, in Anlehnung, für die Kreativitäts-Übung relevant ist. Beim Akrostichon wird ein Begriff senkrecht geschrieben, aus den Anfangsbuchstaben werden neue Wörter oder gar Sätze gebildet. So einfach, so gut. Und deshalb so schnell und leicht einsetzbar, um der eigenen Kreativität auf die Sprünge zu helfen.

Exkurs Kindheitstrauma

Wenn Sie jetzt keine persönliche Anekdote über ein Kindheitstrauma hören und gleich zu möglichen Übungen springen wollen, tun Sie das! Ich nehme das niemandem übel. Also einfach diese Passage auslassen. Ich halte mich ohnehin kurz …

Jedenfalls war eine frühe Begegnung mit einem Akrostichon für mich die reinste Hölle.
Winterschool in der Unterstufe, eine Woche Fremdsprachenunterricht geballt: Native Speaker haben mit uns Schüler*innen die englische Sprache geübt und ein Akrostichon dafür genutzt. Wir sollten Begriffe, ich glaube, mich erinnern zu können, dass es ausschließlich Nomen sein sollten, zu unserem Vornamen finden. Klingt erst einmal nicht schlimm, oder? Gibt ja viele tolle Wörter! Allerdings kann es knifflig werden, wenn man nicht das Glück hat, einen Namen zu tragen, der eher einfache Buchstaben hat. Ich heiße Ursula und mit U …, tja, da kann man sich sicher vorstellen, dass es hart werden kann. „Underdog“ ist mir eingefallen, was nicht gerade positiv ist. Es war kaum zu schaffen und das erzeugt mehr Schmerz und Ohnmachtsgefühle in einem noch jungen Kind. Ein Wunder, dass ich Englisch doch liebe; aber das ist definitiv ein anderes Thema.

Versöhnung (ohne Freudentränen) auf Fortbildungen

Immer wieder komme ich in Fortbildungen und Ähnlichem mit einem Akrostichon in Berührung. Ja, gezwungenermaßen, und es reißt manchmal alte Wunden auf. Aber warum so oft? Weil es eine großartige Form ist, sich kreativ mit einem Thema oder sich selbst zu beschäftigen. Der Aufwand ist gering, es reichen Zettel und Stift. Oder halt Handy/Tablet/Laptop und Schreibprogramm. Und zumindest ein Hauch einer Idee, worum es gehen soll, worüber man nachdenken will. Und ein bisschen, aber nicht einmal allzu viel Zeit.

Ja, in der Fortbildung ist das meist vorgegeben, richtet sich nach dem Thema des Workshops oder Kurses. Manchmal gibt es sogar Vorlagen. Man kann ein Akrostichon zur Inspiration aber gut selbst vorbereiten. Ehrenwort!

Einige Ideen gefällig?

Ideen zum Thema finden

Vielleicht möchte man über ein bestimmtes Thema schreiben, aber es sprudelt noch nicht so richtig. Kreativität ist halt kein unendlicher Springbrunnen, leider. Und trotzdem, manchmal braucht man Inspiration für ein spezielles Thema. Kann ja sein, dass es das Motto für einen Schreibwettbewerb ist, an dem man unbedingt teilnehmen möchte. Oder das Thema für den nächsten Blogartikel. Oder für einen Text zum Trendprodukt im Shop oder für die Präsentation einer neuen Dienstleistung. Vielleicht für einen Auftrag für Kund*innen. Oder auch nur für eine private Nachricht. Vielleicht sogar für einen Liebesbrief (oder das Online-Pendant dazu). Oder, oder, oder …

Ein Akrostichon ist eine einfache Übung, um sich einem Thema kreativ anzunähern. Man braucht den Begriff nur senkrecht auf ein Blatt Papier zu schreiben (oder ins Schreibprogramm zu tippen). Vielleicht kommen schon die ersten Wörter oder Gedanken, die mit den Anfangsbuchstaben beginnen. Vielleicht schon automatisch. Und es könnten Assoziationen dabei sein, die treffend sind. Das sind die zum Weiterverfolgen. Das vermag den kreativen Springbrunnen wieder in Gang zu setzen. Ich kann ein leises Plätschern schon hören. Sie auch?

Figurenentwicklung

Zugegeben, wenn man mit einem Akrostichon Figuren entwickeln möchte, brauchen diese schon einen Namen oder zumindest einen Begriff als Ausgangspunkt. Sonst kann man nichts notieren, um neue Wörter oder Sätze aus den Anfangsbuchstaben zu bilden. Notfalls kann man einen Arbeits-Namen verwenden, einen provisorischen.

Und dann heißt es, Begriffe und/oder Sätze zu den Anfangsbuchstaben zu finden, die die Figur möglicherweise charakterisieren. Das können Eigenschaften, Eigenheiten oder auch Hindernisse sein. (Bei U: unpünktlich, ungeniert, ultrakonservativ, unflätig, …) Plaaatsch, plaaatsch, plaaatsch. Diese Sammlung, die eher intuitiv entsteht, fördert vielleicht neue Aspekte zutage. Das heißt nicht, dass man das Ergebnis verwenden muss, wenn es nicht stimmig ist. Aber vielleicht entsteht doch eine kreative Verbindung und es fühlt sich brauchbar an …

Stil- und Tonsuche

Nein, Stil- und Tonsuche hat nichts mit Farb- oder Kleidungsberatung zu tun. Da bin ich keine Expertin. Aber Stil und/oder Ton brauchen auch Texte, um die richtigen Leser*innen zu erreichen. Egal, ob das Bücher oder Artikel zur Unterhaltung sind oder Beiträge, die enger mit dem eigenen Unternehmen oder einer Dienstleistung verknüpft sind. Denn das Wie ist ebenso wichtig wie das Was. Und vielleicht gibt ein Akrostichon Anhaltspunkte, wie dieses Wie klingen könnte.

Man notiert das Kernthema, einen (Produkt-)Namen oder einfach einen Begriff, der damit in Verbindung steht, worüber man schreiben (oder erzählen) möchte. Und denkt nach, um Eigenschaften oder Beschreibungen zu finden, die – richtig – denselben Anfangsbuchstaben haben. Unterhaltsam, unerwartet und (wenn man beide Augen zudrückt) überraschend soll beispielsweise die Geschichte zu meinem Namen werden.

Die Sammlung an Begriffen zum Stil und/oder Ton sollte dann mit den Erwartungen Ihrer Zielgruppe verbunden werden. Vielleicht fallen Übereinstimmungen ins Auge. Dann hat man eine erste Spur, wie das Wie aussehen kann. (Oder hat sich zumindest kreativ beschäftigt und hat den Springbrunnen im Ohr.)

Business- oder Selbst-Präsentation

Kreativität für die Präsentation des eigenen Business (oder der eigenen Person) kann nicht schaden. Wieso mit einem Akrostichon auf Inspirationssuche gehen?

Weil es einfach ist. Weil es intuitiv, fast automatisch geht, dass Begriffe aufs Papier wandern. (Oder auf das Dokument am Gerät.) Welche, die beschreiben, welche, die Emotionen auslösen. Und vielleicht kommen überraschende Assoziationen, die man weiterverfolgen und ausbauen kann. U wie unterstützend ist beispielsweise eine Eigenschaft, die mich und mein Angebot wunderbar beschreibt. Viel besser geht es nicht. Plaaatsch, plitsch, plaatsch, der Springbrunnen hat seinen Rhythmus gefunden.

Kreative Pause

Pausen sind wichtig. Manchmal darf es eine kreativ gestaltete Pause sein. Vielleicht, wenn gerade unkreative Aufgaben, deren Eintönigkeit Energie raubt, bearbeitet werden, kann eine schnelle Kreativ-Übung aus dem Trott reißen. Vielleicht bringt sie sogar Spaß, jedenfalls Abwechslung.

Da darf es ruhig ein Akrostichon zu einem Scherz-Thema sein. Der 1. April ist leider schon vorbei beziehungsweise ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass mein Beitrag genau an diesem Datum gelesen wird. Egal. Man kann trotzdem zu „APRILSCHERZ“ Assoziationen suchen, die mit diesen Anfangsbuchstaben beginnen. Oder es drängt sich ein anderes Thema auf. Jedenfalls kann man ganz unbeschwert – ja, das ist wieder ein positives Wort mit U – an die Sache herangehen.

Gar nicht so verstaubt oder persönliches Happy End

Das Akrostichon klingt zwar verstaubt, ist aber ein echt geniales Tool. Es geht so schnell, man braucht nicht viel Vorbereitung. Das ist super, weil es nicht viel Zeit kostet und trotzdem helfen kann, das Wasser im kreativen Springbrunnen wieder lustig und laut tanzen zu lassen. Es funktioniert intuitiv, kommt vielleicht in Ecken des Gehirns, die man sonst nicht so erreicht.

Dass ein Akrostichon eine praktische Übung für Kreativität ist, die bei verschiedensten Aspekten des Schreibens oder Erzählens helfen kann, hat mich damit versöhnt. Ein persönliches Happy End also.

Sie wollen noch mehr Ideen für schnelle Kreativ-Übungen? Sie brauchen nicht länger suchen: Kreativtief ade – Sechs schlaue Tools und Tricks zum Finden und Gestalten schneller Schreib- und Kreativ-Übungen