6 kurze Impulse für mehr Kreativität – Pimp your writing

Kreativität“, flüstert mir die Souffleuse ein. Ja, damit hat sie mir das entscheidende Stichwort gegeben. Allerdings hätte ich es nicht gebraucht, trotzdem: „Danke“. Schließlich habe ich als Autorin und Expertin entschieden, dass es heute um Kreativität geht. Eine philosophische Diskussion möchte ich nicht lostreten. Ich vermute, dass das nur für einige wenige wirklichen Mehrwert hätte. Daher weniger verkopft, dafür praktischer.

Ich möchte den Fokus auf Nutzen und aufs Tun lenken. Was das bedeutet? Eigentlich versuche ich, ein paar schnelle Übungen auf den schreibenden Weg mitzugeben, mit denen Sie Kreativität (im Alltag, beim Schreiben etc.) fördern können. Inspiration und Training in einem, ein extrem innovativer 2-in-1-Deal. (Um es in Werbesprache auszudrücken.)

Kreativität und Würze (auch für den Alltag)

Nicht alles, was wir so im Alltag schreiben, muss außergewöhnlich gut gewürzt sein. (Ein bisschen metaphorisches Salz schadet aber nie. Außer vielleicht in bierernster Geschäftskommunikation.) Manchmal möchte man Leser*innen mit neuen Geschmacksrichtungen verwöhnen. Die eigene Kreativität entzünden und ins Schreiben einfließen lassen.

Wenn die Kreativität einmal nicht so sprudelt, könnten Sie es mit einer kurzen Übung probieren:

1. Bild-Impuls für kreative Geschichte(n)

Im Alltag werden wir von einer Bilderflut regelrecht überschwemmt: Sich von der Hauptquelle dieser Bildermassen, sprich von allen On- und Offline-Medien, fernzuhalten, ist fast unmöglich. (Jedenfalls, wenn man wie ich keine Affinität zum Einsiedler-Dasein ohne Elektrizität und moderne Ausstattung hat.) Diese gewaltigen Bilderwellen können Sie jedoch nutzen, um die Kreativität anzuregen! Vielleicht bleiben Sie ja bei einem Bild hängen, weil es geheimnisvoll ist. Oder etwas anderes hat, das Sie anzieht und Ihre Neugier weckt. Das ist gut so!

Nehmen Sie dieses Bild als Impuls für Ihre Kreativität und schreiben Sie eine kurze Geschichte dazu. Wer sind die handelnden Figuren und was machen sie? Wo befinden sie sich? (Sollten keine Personen am Bild sein, können Sie diese erfinden und in die Szenerie einbinden.) Gibt es ein Happy End? Ich übernehme keine Garantie für die Vollständigkeit der Angaben: Natürlich gibt es noch mehr Fragen, auf die Sie Antworten in der Geschichte finden können.

Die Geschichte zum Bild muss nicht lang sein. Zwei Sätze etwa können viel erzählen. (Das wäre dann eine 2-Sentence Story, vor allem bekannt aus dem Horror-Genre. Das gruselige Genre ist aber nicht zwingend!) Wenn Sie in einen Flow geraten, die Kreativität sprudelt, passt das natürlich auch: Dann wird die Geschichte zum Bild-Impuls eben länger.

2. Bild-Impuls für die Sinne

Wir Menschen erleben die Welt mit all unseren Sinnen. Und das sollen die Figuren in unseren Geschichten und damit unsere Leser*innen auch. (Das kann ebenso zu einem gewissen Grad für nicht fiktionale Texte wichtig sein.) Anhand von Sinnlichkeit wird die (fiktive) Welt für Leser*innen greifbarer. Zumindest in der Vorstellung vielleicht sogar erlebbar: Die Früchte auf den Bäumen erweisen sich als saftige, goldgelbe Birnen; sie wirken nicht mehr undefinierbar, wenn man sie genau betrachten, ertasten, riechen und kosten kann. Oder den Plumps hört, wenn sie reif vom Baum fallen. Wobei dieses Geräusch wahrscheinlich dem eines Apfels zu ähnlich sein könnte. Vielleicht hat jemand aber ein so gutes Gehör, dass die Nuancen unterscheidbar sind …

Für diese „sinnliche“ Kreativ-Übung können Sie ebenfalls ein Bild als Impuls wählen. Es muss nicht einmal mysteriös oder spektakulär sein. Jetzt gilt es zu beschreiben, was Protagonisten in dieser Szene fühlen, sehen, riechen, hören oder sogar schmecken können. (Sollte keine Person auf dem Bild zu sehen sein, können Sie kreativ sein und sie als stillen, unsichtbaren Beobachter interpretieren. Menschlich oder allwissend – das bleibt Ihnen überlassen.)

Der Bild-Impuls über eine sinnliche Erfahrung kann ebenso für eine ganz kurze Kreativ-Übung genutzt werden. Ein paar Sätze reichen. Schon wird die Welt, die das Bild zeigt, sinnlich. Wenn der kreative Schreibfluss so richtig einsetzt, bitte für eine ausführlichere Betrachtung nutzen. (Wenn Zeit dafür ist.)

3. Geschichten mit bestimmten Wörtern oder Kreative Einflechtung

Wenn man als Autor*in die Qual der Wahl hat, ist das toll. Zur schnellen Aktivierung der Kreativität kann jedoch ebenso Erzählen mit bestimmen Wörtern, die im Text Platz finden müssen, dienen. Bauen Sie etwa Bagger, Handtasche, Jogginghose, Schneesturm und Nachbarin in eine Geschichte ein! Oder Weihnachtsbaum, Amsel, Paprika, Fenster und Messer. Diese eklektischen Kombinationen könnten viel Kreativität hervorlocken.

Das sind natürlich nur Vorschläge! Sie können sich Ihre bestimmten Wörter auch aus der Zeitung oder Zeitschriften holen. Schreiben Sie sich etwa fünf bis zehn Wörter heraus. Noch ist wenig Kreativität vonnöten, Sie können die Auswahl komplett dem Zufall überlassen: Schließen Sie die Augen, blättern Sie die Seiten der Zeitung oder Zeitschrift durch und tippen Sie dann auf die Wörter. (Herausschreiben nicht vergessen!) Bauen Sie sie anschließend in eine (kurze) Geschichte ein. Da ist Kreativität gefragt. Viel Glück beim kreativen Einbinden!

4. Kreativität Advanced – Ein Buch bestimmt die Wörter

Nehmen Sie ein analoges, echtes Buch, das Sie gerade lesen oder gelesen haben und lassen Sie den Zufall über die Wörter für Ihre kreative Geschichte bestimmen. Nehmen das fünfte Wort auf Seite 25, das dritte Wort auf Seite 33, das erste Wort auf Seite 38, das vierte Wort auf Seite 44 und das letzte Wort auf Seite 51. Wenn Sie noch mehr Wörter wollen, setzen Sie diese zufällige Auswahl beliebig fort! Selbstverständlich können Sie sich auch eigene Vorgaben für die Wörter aus dem Buch überlegen – da ist sogar schon Kreativität gefragt. Oder Sie gehen mit geschlossenen Augen auf Wörter-Suche. Hauptsache, Sie finden fünf bis zehn Wörter für Ihre Kreativ-Übung.

Für alle, die nur noch elektronisch lesen: Ich hoffe, dass das auch bei E-Books zumindest annähernd so funktioniert. Andernfalls müssen Sie improvisieren und die Angaben anpassen. Oder wie erwähnt, kreativ werden und selbst ähnliche Vorgaben für die Übung erfinden.

Und für Sprachbegeisterte: Sollten Sie gerade fremdsprachige Literatur lesen, können Sie gerne die Übersetzung der gefundenen Wörter verwenden. (Oder Sie nehmen ein anderes Buch.)

5. Impuls-Situation für kreatives Denken

Als Impuls für eine schnelle Kreativ-Übung kann eine bestimmte Situation dienen. Dazu können Sie eine kurze Geschichte verfassen oder auch nur Ihre Gedanken niederschreiben. Beides bringt Sie ins Denken, Imaginieren und Schreiben. Sprich: zu Ihrer Kreativität.

Folgende Situationen könnten Sie als Impuls verwenden:
– Das habe ich nach einem hohen Lotto-Gewinn erlebt
– Mein schlimmster Zahnarztbesuch
– Vorm Standesamt im weißen Kleid
– Der Camping-Horror
– Eine Nacht im Gefängnis
– Das erste Treffen mit der Lieblingsautorin / dem Lieblingsautor
– Etc.

Vielleicht finden Sie meine Vorschläge nicht so berauschend … Kein Problem! Dann müssen Sie eben selbst kreativ werden und sich nach Inspiration für Ihre Kreativitätsübung umschauen.

6. Kreative Biografie

Biografien und Personenbeschreibungen haben viel kreatives Potenzial und lassen sich in unterhaltsame Übungen verwandeln. Und es geht ganz leicht, diese für die eigene Kreativität zu nutzen. Vielleicht spaziert vor dem Fenster gerade eine fremde Person vorbei, die Ihnen auffällt. Überlegen Sie sich, wie deren Biografie aussehen könnte. Was macht sie (beruflich)? Wie ist es um die Familiensituation bestellt? Was mag sie gerne, was nicht so sehr? Was hat sie Außergewöhnliches erlebt? Was sind ihre Herausforderungen, was kann sie besonders gut? Ihrer Fantasie und damit Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Wenn das Schicksal gerade keine Person bereithält, können Sie auch Fotos als Inspiration verwenden. Oder Sie spinnen eine alternative, eventuell kontrafaktische Biografie für einen Promi. Erzählen Sie dessen Geschichte (neu).

Fazit: Ran an die Feder! (Na ja, wahrscheinlich eher an Kugelschreiber oder Tastatur.)

Mit Bild- oder Wort-Impulsen lässt sich viel Kreativität wecken. Manchmal helfen schnelle Übungen auch in schwierigen Phasen beim Schreiben. Sie können ebenso als Auflockerung oder für kreativ gestaltete Pausen genutzt werden.

Ich hoffe, der eine oder andere Impuls für Ihre Kreativität kommt zum rechten Zeitpunkt. Viel Vergnügen!