Acht (+) zentrale Zutaten fürs Buch oder den Beitrag – ein Überblick für Planer*innen und/oder zum Check
Anfangen ist der wichtigste Schritt. Zum ersten eigenen Buch (oder zum nächsten oder übernächsten oder überübernächsten), zu einem Beitrag oder zu einer Geschichte. Natürlich genauso fürs Sportprogramm, die Steuererklärung oder andere unter den Fingernägeln brennende Aktivitäten. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Sorry, roten Faden fast verloren.
Wissen ist Macht – auch beim Schreiben
Also zurück zum Schreiben. Um den Anfang zu schaffen, kann Planung helfen. Oder zumindest zu wissen, was eine Geschichte grob braucht.
Moment! Manche von uns Autor*innen schreiben ja lieber drauflos! Mit wenig bis gar keiner Planung. Dann kann (m)eine Basis-Sammlung der Zutaten für eine Geschichte / einen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt wirken: zum Check vor der Überarbeitung. Denn allerspätestens dann sollte auffallen, wenn etwas fehlt, der Text (noch) fad schmeckt oder (noch) nicht funktioniert.
Anmerkung zu Fiktion versus Non-Fiction
Zugegeben, die Überlegungen für den Überblick sind näher an der Komposition von fiktionalen Texten. Viele der Zutaten sind allerdings – mit unterschiedlicher Gewichtung und/oder zumindest im weiten Sinn – genauso inspirierend und/oder essenziell für Bücher oder Beiträge aus dem Sachbereich. Wetten?
Überblicksmäßig (und ein bissl philosophisch) zum Überblick
Gibt der Beitrag einen vollständigen Überblick über die Zutaten, die eine Geschichte (im weiten Sinn) braucht, der bis ins kleinste Detail geht? Sprich: Ist es ein Artikel von einer Allwissenden? Vielleicht sollte ich lieber gleich klarstellen: Diese Erwartungen kann ich nicht erfüllen, allwissend bin ich als Autorin aka Erzählerin dieses Beitrags nicht. Aber wer ist schon allwissend – außer in der speziellen Erzählperspektive? Vollständigkeit – also jedes winzige Korn zu erwähnen, aus dem ein Text, der Leser*innen anzieht, wachsen kann – ist daher wohl ein Ding der Unmöglichkeit.
Der Fokus ist ohnehin der Überblick, der allgemein und möglichst breit gehalten ist. Denn dieser gibt Hinweise, ob die Basis stimmig ist und funktioniert. Ob sich beim Gedanken an die zu schreibende Geschichte die Ruhe der Klarheit und die Vorfreude auf die Aufgabe im Hirn und im Herzen ausbreiten können. (Ist meistens gut für die Nerven, wenn es einen Gleichklang gibt.)
1 Thema / Themen, um schreiben zu können
Los geht’s! Geschichten (im weiten Sinn) brauchen ein oder mehrere Themen. Ein Worüber. Das gilt für Romane genauso wie für Sachbücher. Achtung, philosophischer Gedanke: Kann man überhaupt über nichts schreiben?
Zurück zur Praxis: Je nach äußerem und/oder innerem Auftrag (oder Drang) ist die Themenwahl eingegrenzt oder komplett offen. Jedenfalls ist dieses Kernelement – das Worüber – das Verbindungsstück zur Realität und den Leser*innen. Themen können abstrakt oder ganz konkret sein: Betrug, Mord, Liebe, Armut, Steuererklärung, ein Love Scam, Angst vorm Arzt, High Society, Vegan auf Reisen, Kreativität, Schreiben, Katzenfell, Social Media, die allwissende Erzählperspektive, das Androgen-Insensitivitäts-Syndrom, Morbus Addison, Toilettentraining usw. (PS: Für diese natürlich gänzlich unvollständige Liste habe ich nur mein Hirn und meine Recherchefähigkeiten bemüht, keine KI.)
1.1 Aspekte des Themas beeinflussen Aufbau und mehr
Kernpunkte des Themas beziehungsweise der Themen können den Aufbau bestimmen und vor allem in fiktionalen Geschichten Plot-Elemente (für Handlungsstränge) / Bausteine liefern. Und im besten Fall Leser*innen Orientierung geben und ihr Interesse wecken. Ebenso bieten sie Anhaltspunkte für die Figurenzeichnung und mögliche Rollen.
2 Plot / Struktur als Gerüst
Sind die Themen fix (oder das Thema), braucht es ein Gerüst, wie eine Annäherung daran in literarischer Form funktionieren kann. Da kommt der Plot ins Spiel. Ja, Plot kommt aus dem Englischen und verweist auf den Gerüst- beziehungsweise Grundrisscharakter. (Nicht auf die Grabstelle und hoffentlich ebenso wenig auf eine Verschwörung oder ein Komplott gegen das Schreiben.) Der Begriff beschreibt die einzelnen Elemente – also die Bausteine – und ihre Anordnung, um eine Geschichte zu erzählen.
Der Fachausdruck „Plot“ wird eher für Romane, also den fiktionalen Bereich der Literatur, verwendet. Im übertragenen Sinn ist aber ein Gerüst genauso für Sachbücher und Non-Fiction-Beiträge hilfreich. In diesem Kontext werden halt die Begriffe „Struktur“ oder „Aufbau“ bevorzugt verwendet. Klingt ein bissl gehobener …
Eine nachvollziehbare und mitreißende Anordnung der Handlungsstränge beziehungsweise fürs sachliche oder wissenschaftliche Schreiben der Kernaspekte eines Themas / der Themen ist der Schlüssel für Verständlichkeit. Und für Spannung, zumindest im weiten Sinn.
3 Figuren als Akteur*innen
So ein Plot kann nicht im luftleeren Raum stehen, braucht Akteur*innen, die sich in der innergeschichtlichen Welt bewegen: die Figuren natürlich.
Im fiktionalen Bereich ist das wohl selbstverständlich. Für nichtfiktionale Werke können Figuren auf zwei Ebenen ebenfalls hilfreich sein. Eine Möglichkeit in Texten jeder Art ist es, auf Storytelling zu setzen. Für dieses Erzählen in Form von Geschichten braucht es unbedingt Figuren.
3.1 Fiktive Figuren als Avatare der Zielgruppe
Für eine Konzeption, auch wenn Storytelling nicht direkt einfließt, können gedachte Figuren für jeden Text hilfreich sein. Als Avatare können sie (im Kopf) mit der Zielgruppe verschmelzen und so Einfluss auf die Struktur, die zentralen Elemente, den Ton und den Stil nehmen. Eigentlich auf alles, was dazu beiträgt, einen Artikel oder ein Buch in die auf die potenziellen Leser*innen abgestimmte Form zu bringen.
Dieser Gedankengang, die Zielgruppe im Kopf als Figuren zu betrachten, kann natürlich genauso fürs Schreiben eines Romans, der diese besonders begeistern soll, angewendet werden. Wobei ja für fiktionale Texte die eine oder andere Figur vielleicht ihren Weg aus dem Kopf in die Geschichte findet.
3.2 Multifunktionalität von Figuren
Egal, ob im Roman oder Sachbuch: Figuren – ebenso die, die im Kopf der Autor*innen als Avatare verbleiben – können mehrere Funktionen in der Beziehung zu Leser*innen einnehmen, Identifikationspotenzial bieten. Oder eine gänzlich neue Perspektive zeigen, die das genaue Gegenteil von deren Lebenswelt ist. Etwas, mit dem Leser*innen gewöhnlich nicht in Berührung kommen. Sie anziehen oder abstoßen.
3.3 Runde und flache Charaktere
Jetzt wird’s literaturwissenschaftlich. Figuren können als runde oder flache Charaktere angelegt werden. Runde Charaktere sind vielseitig, dürfen (fast) alle Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen. Sind uns Menschen wohl ähnlicher als flache Charaktere, die auf wenige Eigenschaften und Handlungsmuster reduziert sind. Jene sind eher Typen, denen es etwas an emotionaler Tiefe fehlt.
Geschichten dürfen beide Arten von Figuren haben. Beide können unterschiedliche Funktionen einnehmen, auf ihre Weise zur Verbindung mit Leser*innen beitragen. Aber Vorsicht: Werden Geschichten ausschließlich von flachen Charakteren und Stereotypen getragen, kann das schnell zu klischeehaft und etwas langweilig wirken. Die Mischung macht’s.
4 Konflikte / Herausforderungen
Um etwas Erzählenswertes in Gang zu setzen, Spannung zu erzeugen, braucht es Konflikte. Herausforderungen sind emotionale Anknüpfungspunkte ans Leben. Das ist ja meist voll davon. Gleiten Figuren ohne Schwierigkeiten durch ihr Dasein, könnte das ein wenig langweilig sein. Oder?
Konflikte und Herausforderungen schaffen Potenzial für Entwicklung. Und genau die kann anhand von runden Charakteren gezeigt werden. Nicht nur für Belletristik, sondern auch für den Non-Fiction-Bereich. Wie? Über Storytelling (also ähnlich wie in Romanen) oder zumindest mit einer ansprechenden Präsentation der Möglichkeiten und Tools für eine Entwicklung der Avatare – der im Kopf gedachten Figuren, die die Zielgruppe repräsentieren, – und schließlich der Leser*innen.
5 Roter Faden und Entwicklung
Entwicklung und Fortgang von und in Geschichten beziehungsweise der Aufbau von nichtfiktionalen Inhalten sollten nachvollziehbar sein, ihr Kern klar. Sprich: Eine Art Grundgedanke – im Fachjargon roter Faden genannt – sollte sich durch jeden Text ziehen. Das gilt für fiktionale sowie für nichtfiktionale. Reißt dieser komplett, könnten Leser*innen die Orientierung und/oder das Interesse verlieren.
6 Klare Stimme / Perspektive
Klarheit und Orientierung sind für Leser*innen wichtig. Dazu kann eine klare Stimme beziehungsweise Erzählperspektive beitragen. Diese beeinflusst ebenfalls den Spannungsbogen. Für den roten Faden rund um die Kernzutaten möchte ich mich auf den Aspekt der Klarheit konzentrieren. Um klar zu bleiben. Ich verspreche aber hoch und heilig, dass noch mehr über verschiedene Erzählperspektiven (auktorialer Erzähler, personaler, neutraler und Ich-Erzähler) kommt. Bin ja auch irgendwie ein Narratologie-Nerd. Es kribbelt schon, wenn ich daran denke, welche spannenden Erkenntnisse da warten …
Zentral für die Klarheit: Abrupte Wechsel der Perspektive können Verwirrung stiften, Leser*innen die Orientierung rauben und sie vor unlösbare Fragen stellen. Daher sollte die gewählte Perspektive – für den markierten Abschnitt – durchgezogen werden, um gleichzeitig Logikfehler zu vermeiden. Wenn überhaupt gewechselt wird, dann heißt es, klare Grenzen setzen und bitte Leser*innen so gut wie möglich darauf aufmerksam machen. Außerdem können zu viele Stimmen ebenfalls zu laut werden. Und für Overload sorgen. Kakophonie statt Wohlklang.
7 Emotionen und Sinne
Wörter stehen nur auf dem Papier (oder online). Trotzdem können Emotionen und sinnliche Erfahrungen, die damit heraufbeschworen werden, eine enge Verbindung zu Leser*innen herstellen. Wenn die erzählte Welt gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt und gefühlt wird – von Figuren und/oder uns lesenden Menschen –, dann entfaltet sich der ganze Zauber eines Textes. Sinne und Emotionen sind in diesem Sinne eine der Kernzutaten von Geschichten, die wirken.
8 Spannung
Spannung ist eng mit anderen Zutaten verbunden. Vor allem mit Entwicklung – von Figuren wie von einer Geschichte selbst. Sie sorgt dafür, dass bei Leser*innen das Interesse und die Bereitschaft, mehr zu erfahren, bleiben. Ich habe lange mit mir gerungen und führe sie nun noch einmal eigenständig an. Weil die Verbindung zu Leser*innen so zentral ist.
Spannung kann vieles bedeuten und auf unterschiedliche Art und Weise wirken. Es müssen nicht immer Action, Melodrama oder Extreme sein. Können aber. Sie zeigt sich jedoch genauso über Emotionen oder durch die Diskrepanz von Wissen und Nichtwissen. Je nach Genre, Stil und Zielgruppe (oder anderer Einflussfaktoren) ist sie manchmal offensichtlich, manchmal subtil. Aber: Ohne eine Spur von Spannung kann es sein, dass eine Geschichte dahinplätschert und nicht zu erfrischen vermag.
Fazit:
Ein Buch oder ein Beitrag ist wie ein Gericht. Es braucht dazu einige zentrale Zutaten, ohne die es nicht so richtig schmeckt, also nicht richtig funktioniert. Gut, als wenig geübte Köchin sollte ich wohl auf die Vergleiche mit diesem Gebiet verzichten …
Vielleicht passt das Bild einer Art Gebrauchsanleitung mit viel Spielraum für die praktische Ausgestaltung …
Tipp: Mithilfe der meisten Zwischenüberschriften lässt sich leicht eine Checkliste mit den Kernzutaten für einen gut funktionierenden Text (Beitrag, Sachbuch, Roman – whatever!) erstellen.



