Zurück in die … nein ins Jahr 2025 – ODER – Und jährlich grüßt eine Retrospektive

Super kreativ sind Jahresrückblicke nicht, trotzdem sind sie wertvoll. Sie zeigen, was uns auf dem Weg erwartet hat und mit wem wir ihn gegangen sind. Sie zeigen, was wir geschafft haben und was mehr Herausforderung als sonst etwas war. Und sie zeigen, was wichtig für die Zukunft ist. Nicht nur für mich. Vielleicht wartet der eine oder andere nützliche Tipp fürs eigene Schreiben. Oder gar eine Überraschung. Weil … mitunter werde ich im Jahresrückblick auf 2025 kleine Geheimnisse verraten.

PS: Mein Jahr 2025 war so voll, dass sicher nicht alle Abenteuer, Pleiten, Projekte und Schrecksekunden Platz finden. Das würde doch zu viel unserer kostbaren Zeit in Anspruch nehmen … – daher das Wichtigste zuerst.

Neue Rechtschreibung für aktuelle Bücher

Mit 1. September 2025 sind neue Rechtschreibregeln in Kraft getreten. Nein, ich bin nicht im Rechtschreibrat, der sie beschlossen hat, aber als Lektorin, Ghostwriterin und Autorin möchte ich natürlich am Puls der Zeit sein. Deshalb: Weiterbildung. In diesem Fall habe ich einen wunderbaren Workshop vom VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren) genossen. Jetzt bin ich up to date, was die neuesten Regeln zur Rechtschreibung und Kommasetzung betrifft. Nicht blöd, oder? Denn nur am aktuellen Stand sind Bücher und Geschichten zukunftsfit. Wenn die neuen Regeln in der Übergangsfrist ignoriert werden, sind Texte nach dieser Zeit nämlich, was die Rechtschreibung angeht, veraltet und enthalten Fehler.

Von Krimi- und Inquit-Queens

2025 habe ich mich auf eine kriminell gute Reise begeben. Also ja, ich habe es getan. Nein, keinen Mord begangen. Wär schön blöd, das hier zu verraten …

Als Lektorin durfte ich jedoch eine vielseitige Autorin bei einem Cosy-Crime-Roman begleiten und mich auf Spurensuche begeben. Auf Spurensuche nach Genreelementen, die bei Leser*innen ein wohliges Gefühl des Vertrauens auslösen können, überraschenden Wendungen, nach Spannung und Unterhaltung, die unbedingt in die Geschichte gehören. Ebenfalls nach kleinen Ungereimtheiten und Inquits aus dem Dunkelgraubereich bis zu kompletten No-Gos. Da muss ich beichten: Ich kann mich nicht zurückhalten, wenn Figuren verständliche Sätze lächeln, weinen, schmunzeln etc. Aber: Mit einfachen Mitteln ist eine Verwandlung von der Cry-Queen zur Inquit-Queen – dieser Spitzname stammt von der Autorin selbst – und Crime-Queen möglich. Da bin ich als Lektorin besonders stolz, wenn der Roman in Teamarbeit (ganz viele Beteiligte wie Verlagschefin, Autorin, Grafikerin etc.) im schönen 2025 das Licht der Buchwelt erblickt.

Junges Publikum mit Bilderbüchern erobern

Im heurigen Jahr konnte ich ganz in die Welt der jüngeren Leser*innen eintauchen, durfte einige Kinderbücher begleiten. Etwas ungewohntes Terrain für mich, da meine eigene Kindheit gefühlt eine Ewigkeit zurückliegt. 2025 minus … das sage ich jetzt nicht.

Bei Kinderbüchern sollte die korrekte Sprachverwendung im Fokus sein; zumindest aus meiner Sicht. Trotzdem: Wichtig ist gerade bei Geschichten für jüngere Leser*innen auch, dass sie lebendig sind und gut verständlich. So können sie die Kleinen mitnehmen und begeistern. Sie 2025 etwa ins historische Frankreich reisen lassen, um herauszufinden, wer die Kartoffel am Königshof etabliert hat. Oder die jungen Leser*innen auf unterhaltsame Art und Weise den Zauberwald erkunden lassen, um dabei praktische Tipps für Natur- und Tierschutz zu entdecken. Sie erfahren lassen, dass es das Oma-(oder Opa-)Gefühl immer noch gibt, wenn die Person verstorben ist. Außerdem ging es tierisch zu …

Bild und Text im Einklang als Zeichen von Teamarbeit

Gerade bei Büchern für jüngere Leser*innen bin ich selbst ganz aufgeregt und neugierig auf das Zusammenspiel von Text und Bild. Wenn mir die Illustratorinnen und Grafikerinnen vor der offiziellen Veröffentlichung Einblick gewähren (und ich einen letzten Check machen kann), klopft mein Herz schon etwas. Schmetterlinge tanzen ebenfalls in meinem Bauch, wenn das Lektorinnen-Exemplar bei mir ankommt. Es zeigt, wie ein wundervolles (Bilder-)Buch in Teamarbeit entsteht.

Schreiben als Geist

2025 durfte ich ebenso schreibend unterstützen. Mit viel Expertise zum Exposé und mit Kreativität zur sprachlichen Umsetzung der Ideen. Als Ghostwriterin kann es allerdings sein, dass ich bei Bedarf komplett unsichtbar bleibe. Diese Geheimhaltung, wenn sie gewünscht ist, ist mir ein professionelles Anliegen. Das wird 2026 und darüber hinaus so bleiben.

Zwischen den Sprachen und Kulturräumen ins Gedächtnis für 2025

Manchmal passt es vom sprachlichen Background einfach – ich habe ja schließlich Anglistik- und Amerikanistik studiert – und kann trotzdem eine Herausforderung sein. Vielleicht, weil das Projekt in der Hitze des Gefechts den Sommer 2025 dominiert hat. Jedenfalls ist heuer ein aus dem amerikanischen Englisch übersetztes Sachbuch zum Thema Kommunikation in Zeiten von Polarisierung auf meinem Schreibtisch gelandet. So weit, so gut. Gerade bei Büchern, die in einem anderen Kulturraum entstanden sind, ist besonderes Fingerspitzengefühl gefragt. Und Sprachgefühl. Obwohl oder gerade wenn wir uns in der Ausgangssprache (fast) zuhause fühlen. Ein Buch muss ja im Zielsprachraum genauso gut verständlich, aber vor allem relevant sein. Je näher es an der Lebensrealität der potenziellen Leser*innen ist, desto mehr kann es sie abholen.

Für mich persönlich war die Abstimmung mit der Übersetzerin, die Expertin für die Theorien der Autor*innen ist, faszinierend. Ich konnte ihr ja ein bisschen beim Übersetzen zuschauen und professionelles Feedback für sprachliche Vorschläge einholen. Arbeit und Weiterbildung in einem. Am Schluss hat die Grafikerin ihre Magie spielen lassen.

Wahrscheinlich wird mir dieses besondere Sachbuch von 2025 lange in Erinnerung bleiben, weil es im Team großartig geworden ist. Sogar besser als das Original – meiner bescheidenen Meinung nach –, was das Sprachliche und den grafischen Lesekomfort betrifft.

Zeitmanagement und Planung im … (nein, das Wort schreibe ich jetzt nicht auf!)

Es kommt nicht immer alles wie geplant. Ein alter Spruch, der sich 2025 definitiv bewahrheitet hat. Um Autor*innen möglichst gute Orientierung zu bieten, versuche ich stets, die Bearbeitungsdauer und meine Kapazitäten so gut wie möglich einzuschätzen und anzugeben. Die Theorie dahinter: Das Zeitmanagement soll für alle Seiten klar ersichtlich sein und halbwegs reibungslos funktionieren. Wenn aber ein Manuskript bei der Ankunft vom Umfang her deutlich länger ist als geplant? Tja. Schock! Nach dem ersten Schrecken heißt es durchatmen und noch einmal Rücksprache halten, dass die geschätzte Bearbeitungsdauer länger ist. In diesem Fall (bei etwa 100 Normseiten mehr – ja, echt!) war die Kommunikation wertschätzend und der spätere Liefertermin wurde akzeptiert. Besonders positiv war dann das Feedback zu meinen Anmerkungen, wie man dem Roman über eine Neo-Chefin und den Figuren vielleicht sogar noch etwas mehr Leben einhauchen könnte.

Einfach war es trotzdem nicht, wenn es nicht nach Plan läuft.

Noch ein dummer Kalenderspruch mit einem Funken Wahrheit

2025 hatte noch einen abgelutschten Kalenderspruch, der sich irgendwie bewahrheitet hat, auf Lager: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Das trifft privat/sportlich zu, passt manchmal ebenfalls in den Arbeitsalltag. Wenn es um Zusammenarbeit geht, ist das Persönliche nicht zu vernachlässigen. Das gilt für Teamsport sowie Teamarbeit an Büchern und Geschichten. Heuer war es schlussendlich so weit: Da die Spielphilosophie (blinder Ehrgeiz und Taktik statt Spielspaß, Mansplaining oder zumindest Befehlston statt Kommunikation auf Augenhöhe) beim Volleyball schon länger nicht mehr mit meinen Werten und Wünschen vereinbar ist, bin ich aus der Mixed-Hobby-Gruppe (!!!) ausgestiegen. Und mache mehr anderen (Tanz-)Sport. Da ich schon fast zum Inventar gehört habe, war das anfangs komisch. Aber ich vermisse es gar nicht.

Diese Erfahrung kommt einer Epiphanie gleich: Ähnlich wie sich das Teamgefühl beim Sport nach und nach auflösen kann, kann eine Zusammenarbeit auf professioneller Ebene scheitern, wenn es menschlich nicht (mehr) passt. Deshalb rate ich, die Gelegenheit zu nutzen, mich in meinen Texten (wie diesem Blogbeitrag) und zumindest ein bisschen bei einem unverbindlichen Erstgespräch kennenzulernen. Ebenso im Verlauf eines Projekts darauf zu achten. Denn wenn es professionell und menschlich einigermaßen passt, ist das Team stärker.

Ungewollte und gewollte Spannung

Ein Projekt war 2025 aufgrund des Timings besonders spannend. Nervenaufreibend sogar. Zur Recherche fürs Lektorat bin ich teilweise am TV-Bildschirm geklebt und habe im Internet mitverfolgt, was im Vatikan so alles passiert. Die Mädels der Urban Storys Reihe wollten mich nämlich wieder für ihre Schmankerl mit an Bord haben. Für ihr zweites Buch haben sie sich auf heiligen Boden begeben. Die Arbeit am Text kurz vor der geplanten Veröffentlichung ist 2025 ausgerechnet mit der Krankheit von Franziskus zusammengefallen. Ich glaube, ich war nicht die Einzige, die da gezittert und mitgefiebert hat …

Highlights im Zwischenraum

Herzlichen Dank an meinen Körper, dass er mich ausgerechnet zum Slash-Filmfestival im Stich gelassen hat. 2025 habe ich genau vier (!) Filme davon sehen können, den Rest war ich krank. Der Einsatz als Filmkritikerin für Uncut auf der Viennale hat das Leid etwas gemindert. Als Teil des Teams durfte ich einige Filme sichten und meinen Senf dazugeben. Also darüber schreiben.

Ebenso unterstütze ich das Team der Bücherei in meiner Heimatstadt ehrenamtlich mit Texten und/oder Lektorat für diverse Beiträge. Ebenso persönlich vor Ort, wenn ich Dienst habe und den begeisterten Besucher*innen Lesestoff mitgeben darf. Oder bei Veranstaltungen wie unterhaltsamen Lesungen und Science-Workshops für die Jüngeren. Als Teil des Teams.

Weihnachten schon im Sommer

Heuer war ab Sommer schon Weihnachtsstimmung angesagt oder zumindest Inspiration. 2025 war ich nämlich im Redaktionsteam für den literarischen Advent(s)kalender der Weihnachtselfen der Ghostwriting Academy. Es gab mehr Aufgaben für mich: Überblick behalten, eigene Geschichte(n) schreiben und Lektorat. Ein bisschen geschwitzt habe ich schon, denn nicht alle Beiträge waren vor der (ersten) Deadline geliefert …, aber wir haben es geschafft. Noch so ein Team-Highlight, mit dem wir Leser*innen die Zeit bis zum Heiligen Abend versüßen konnten.

2025 für die „Listen-Menschen“ schön geordnet

  • Begleitung von Romanen als Lektorin im Bereich Krimi und Ratgeber-/Entwicklungsroman
  • Lektorat light und Korrektorat von Büchern für junge Leser*innen: Bilderbücher und Geschichten für Kinder (Natur und Umwelt mit Geschichten entdecken, Umgang mit dem Tod von Angehörigen, Ausflug in die französische Geschichte etc.)
  • Unterstützung als Lektorin von Sachbüchern und biografischen Texten aus den Bereichen Erinnerungen der Großeltern, ein etwas anderer Farbguide, Kinderrechte/Armut, Reisen, Kommunikation/Beziehungen
  • Ghostwriting (da kann ich natürlich nicht mehr verraten), Unterstützung bei Werbe- und Klappentexten diverser Bücher
  • Korrektorat Sachbuch
  • Weiterbildung im kollegialen Austausch, Workshop neue Rechtschreibung
  • Lektorat und drei Geschichten für den literarischen Advent(s)kalender der Ghostwriting Academy
  • Filmkritikerin für Uncut: Rezensionen gepostet und Streifen bewertet (und natürlich Filme geschaut, sogar auf Festivals wie der Viennale)
  • Ehrenamtliche Mitarbeit im Bücherei-Team: viele Stunden in der Bücherei beim Dienst, lustigen Lesungen und Workshops verbracht, Berichte für die Stadtnachrichten und diverse (Online-)Medien verfasst oder zumindest mit erweitertem Lektorat (also auch schreibend) unterstützt

Fazit:

Okay, ich habe jetzt nicht nachgerechnet, würde jedoch sagen, dass 2025 schon ganz viele Normseiten und Seiten zur Bearbeitung zusammengekommen sind …

Insgesamt durfte ich echt viele Bücher begleiten, in der einen oder anderen Form. Und auf die eine oder andere Art meine eigenen Geschichten und unzählige Filmkritiken schreiben.

Begleitung von Büchern heißt auch: Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, was ebenso spannend ist. Und, ein bisschen Marketingjargon mit einer Portion Wahrheit, ganz viel persönlichen Mehrwert hat.